Wann wird es zu nah? – Persönliche Grenzen und professionelle Distanz bei der Recherche
Präsenzworkshop
In der Ausbildung und während dem Berufseinstieg sammeln wir als Journalist*innen so viel Handwerk wie möglich: Wir lernen, wie wir an Informationen gelangen, wie wir Antworten aus Interviewpartner*innen herauslocken oder welche persönlichen Details einer Reportage das gewisse Etwas geben. Doch die wichtigste Lektion kommt zu kurz: der Umgang mit den Protagonist*innen.
Wie stelle ich Nähe zu einem Menschen her, die sich für beide Seiten fair anfühlt? Welche Grenzen muss ich bewusst setzen – und woran merke ich, dass welche überschritten wurden?
Stattdessen scheint es allgemeine Regeln zu geben, durch die wir vermeintlich automatisch professionelle Distanz zu unseren Protagonist*innen wahren: nur siezen, keine Umarmungen, kein privater Kontakt. Doch in der Praxis ist das gar nicht so leicht umzusetzen. Wir werden geduzt, umarmt und außerhalb der Arbeitszeiten angerufen. Wir teilen intime Momente, wühlen durch unsere Fragen Erinnerungen auf. Manchmal sind wir die einzigen, denen unsere Gesprächspartner*innen sich anvertrauen. Und dann wird schnell klar: 0-8-15-Regeln helfen uns da nicht weiter. Sich nur auf seine Intuition zu verlassen und unvorbereitet in intensive Begegnungen mit Menschen zu stolpern, wird unserem Beruf nicht gerecht. Nicht nur leiden wir selbst als Journalist*innen und die Qualität unserer Recherchen darunter, sondern auch diejenigen, die wir nach der Veröffentlichung zurücklassen.
Es braucht mehr Raum, um sich über Arbeitsweisen und Unsicherheiten auszutauschen. Das ist im Sinne eines nachhaltigen, verantwortungsbewussten Journalismus.
Ziel des Workshop ist es, dass du dich danach sicherer in deiner Arbeit fühlst. Gemeinsam stellen wir einen ganz persönlichen Werkzeugkasten zusammen, der dir dabei helfen soll, vor, während und nach der Recherche die Nähe und Distanz zu deinen Interviewpartner*innen auszubalancieren.
Teilnahmevoraussetzungen
Erste journalistische Erfahrungen sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Interesse für das Thema reicht vollkommen aus.
Lernziele
- Nähe und Distanz ausbalancieren (inkl. Tools für die Recherche)
- Sicherer Umgang mit Gesprächspartner*innen
- Werte für die journalistische Arbeit festlegen