LiMA-Karikaturenausstellung in Salzwedel eröffnet

Foto: Bernd Bruno Meyer

Am 15. November wurde die LiMA-Karikaturenausstellung “Was dürfen Karikaturen? Alles!” in Salzwedel eröffnet. Bis zum 10. Januar sind in der Stadt- und Kreisbibliothek Karikaturen von Gerhard Seyfried aus den 70er Jahren, und zwischen 2006 und jetzt entstandene Karikaturen von Klaus Stuttmann und Rainer Hachfeld zu sehen. Besonderer Dank gilt der RLS Sachsen-Anhalt und dem Jenny Marx Forum Salzwedel sowie Rainer Hachfeld, der für diese Ausstellung neuere Karikaturen zur Verfügung gestellt und die Ausstellung inhaltlich damit aktualisiert hat.

Die Ausstellung wurde das erste Mal während der LiMA15 im September an der Humboldt-Universität in Berlin gezeigt. Sie ist vor dem Hintergrund des Anschlags auf Charlie Hebdo entstanden und widmet sich der politischen Karikatur als spezifisches Ausdrucksmittel der Satire und unverzichtbares Kommentar zur Tagespolitik. Unser Anliegen war es, neben den im Jahr 2015 brennenden Themen, wie der islamistische Terror, der stärker werdende Rechtspopulismus (Pegida) und Überwachung (NSA), Kommentare zur Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit in der Ausstellung zu versammeln. Denn im Zuge von Ereignissen – wie der Anschlag auf Charlie Hebdo, den Ausschreitungen nach der Veröffentlichung der Mohammedkarikaturen oder der immer noch nicht ganz verdauten Böhmermann-Affäre – wird wiederkehrend öffentlich darüber verhandelt, wie weit Satire gehen darf und in welchem Verhältnis Religions-, Kunst-, Meinungs- sowie Pressefreiheit und das Persönlichkeitsrecht stehen.

Was darf Satire?

Mit einem Zitat Fontanes startete die Podiumsdiskussion im Anschluss an die Eröffnung mit Wulf Gallert (Landtagsvizepräsident Sachsen-Anhalt), Annette von Bila (Pfarrerin Salzwedel-St.Marien), Rainer Hachfeld und dem Schriftsteller Uwe Friesel (Moderation):

Wer ängstlich abwägt, sagt gar nichts. Nur die scharfe Zeichnung, die schon die Karikatur streift, macht eine Wirkung.


Damit wurde das Feld eröffnet, darüber zu sprechen, was Karikaturen sind, können, sollen und dürfen und wo eventuelle Grenzen liegen. Gestreift wurden dabei Fragen danach, ob es nach  u.a. den oben genannten Ereignissen überhaupt wünschenswert sei, wenn Karikaturen eine starke Wirkung entfalteten, wie selbstkritisch wir sein wollen und sein dürfen,  wieviel Kritik eine Demokratie, öffentliche Institutionen und Personen aushalten müssten, ob es Kriterien für Karikaturen gebe und ob die Zeichner*innen nicht mit mehr Verantwortung zeichnen müssten.

Aus seiner Perspektive als Politiker wies Gallert darauf hin, dass man als öffentliche Person, Kritik aushalten müsse, und Kritik zur Öffentlichkeit in einer Demokratie dazugehöre. Karikaturen seien für Politiker auch so etwas wie eine Ehrung, denn wer karikiert würde, hätte es als Politiker geschafft, wichtig genug und bekannt genug zu sein.

Von Bila hob den positiven Effekt von Karikaturen hervor, dass, wenn eine Karikatur gut gemacht sei, sie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Thema anstoßen würde. Ebenso sei es eine Tradition, Kritik an einer Sache mit Humor anzubringen und öffentlich zu machen. Hier verwies sie auf den jährlich stattfindenden Karneval. Dennoch sollte eine Karikatur angemessen sein und der Satiriker sich eventuell in einigen Situationen zurückhalten.

Zurückhaltung würde Karikaturisten nicht stehen, antwortete Hachfeld. Es übe einen gewissen Reiz aus und sei auch Sinn von Satire, eine Reaktion hervorzurufen. Dies müsse aber auf eine Art und Weise geschehen, die noch Witz habe. Sonst sei es keine Satire. Und der Witz gehe auf Kosten eines anderen.

Zur Frage der Grenze von Karikaturen wurde kurz über Karikaturen aus dem Dritten Reich und Karikaturen aus der DDR gesprochen. Dies seien, so Hachfeld, positive Karikaturen, in Auftrag gegebene Propaganda, und damit keine echten Karikaturen, da sie bestimmte Gruppen von Menschen oder andere Lebensweisen diffamierten. Karikaturen, wie die Mohammedkarikaturen, oder Satire, wie Böhmermann sie über den türkischen Präsidenten gemacht habe, schätze er als nicht ganz saubere Satire ein. Hier wurde Satire mit einer bewussten Grenzüberschreitung gemacht und man habe die Reaktionen, die dann kamen, in diesem Ausmaß nicht erwartet. Er fügt dennoch hinzu, dass es in Deutschland eigentlich keine radikale politische Karikatur gäbe. Im Vergleich zu solchen in England, Frankreich oder den USA seien die Karikaturen in Deutschland eher lasch. Die Grenze für ihn sei eine bestimmte ethische Haltung. Hier führt Hachfeld Klaus Stuttmann an, der in der Diskussion auf der LiMA15 sagte, er würde nie Karikaturen über Opfer machen.  Hachfeld selbst gibt dem eine Wendung mit den Worten: “Wenn sie Opfer ihrer eigenen Dummheit sind, dann doch.”
Im Rahmen dessen versuchte Hachfeld auf die Frage nach Kriterien von Karikaturen zu antworten und zitierte einen Kollegen, der als Maßstab drei K setzt: (zeichnerisches) Können, Kritik und Komik.
Von Bila sieht die Grenze von Satire in der Achtung der Menschenwürde. Diese dürfe nicht verletzt werden. Für Gallert zeigt sie sich im Gerichtsverfahren. Wenn so ein Fall vor Gericht käme, sei  eine Grenze überschritten worden. Dabei gehe es dann auch um Interessen, die nicht in die eine oder andere Richtung aufgelöst werden könnten. Es müsste in solchen Fällen zwischen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht abgewogen werden.

In den meisten Fragen zeigte die Diskussion, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die Frage nach der Grenze von Satire sind und dass Humor von jedem anders wahrgenommen wird. Einig war sich die Runde darin, dass Diffamierung, Propaganda und Beleidigung Karikaturen und Satire nicht auszeichnen.

Foto: Bernd Bruno Meyer